Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Der abgedroschene Kalauer mag etwas geistlos daherkommen, immerhin kann dem Wortspiel aber eine gewisse Richtigkeit nicht abgesprochen werden. Sicher ist, dass all die Würste, die während der Grillzeit in meinem Garten auf dem Rost brutzelten, ohne Ausnahme zwei Enden aufwiesen. Schweins- und Kalbsbratwürste, Cervelats und weitere hundert Fleischsorten die in Kunststoffdärmen verpackt waren, wurden über der glühenden Holzkohle gebraten. In den Metzgereien waren Würste in jeder Form und Farbe zu haben, gerollte, dünne, dicke und mit Speck umwickelte. Wahlweise mit Curry, Paprika oder Käse angereichert. Diesen Sommer lernte ich sogar Landjäger grillieren. In dieser Aufzählung der vertilgten Würste sind selbstverständlich die Exemplare auf den unzähligen Dorf-, Vereins- und Sportanlässen noch nicht mitgezählt. Ebenfalls nicht mitberücksichtigt die Bock-, Weiss-, Schinken- und Teewürste, die während den Ferien im benachbarten Ausland auf meinem Speiseplan standen.
Das ganze Sortiment an Würsten
Auf den massenhaften Einladungen von Verwandten, Freunden und Bekannten zu ihren Gartenfesten, Grillpartys oder bei den “Mehrbesseren” Barbecues betitelt, lag meist ebenfalls das gesamte Sortiment der vereinigten Metzgergilde in Sachen Wurst bereit, um geröstet zu werden. Fast ein wenig grotesk auch die Tatsache, dass insbesondere bei den betuchten Gastgebern, die Anzahl der angebotenen Cervelats, diejenige der Entrecôtes und Filets bei weitem überwiegte. Dazu kam, dass sich bei derartigen Anlässen der Gastgeber noch gerne als Grillweltmeister aufspielte. Mit einer lächerlichen roten Kochschürze bestückt, auf der in riesigen Lettern ein blödsinniger Spruch gedruckt war, wurden die teuren Fleischstücke systematisch verkohlt. Da half die bedruckte Schürze mit der Behauptung “Jäger und Griller” oder “Born to grill” nicht. Es galt die Losung, je absurder und witzloser der Spruch, je zäher das Steak. Also kaute ich mich tapfer durch den Sommer, strich auf die angebrannten Koteletts so viel Sauce wie möglich und tunkte die Würste in Senf, Mayonnaise oder Ketchup. Nur gut, dass es mir manchmal gelang, das Bier zu trinken, bevor die Herren Grillkönige dieses literweise auf die zu bratenden Fleischstücke giessen konnten!
Stoffservietten statt Plastikmesser
Vielleicht verständlich, dass sich mein sommerlicher Menüplan denn doch hie und da eintönig gestaltete. Etwas unfein und für empfindliche Gemüter ordinär ausgedrückt, die Wurstbraterei hing mir bereits Ende Juli zum Hals heraus.
Aus all diesen Gründen schätze ich mich glücklich, dass die Grillsaison zwar nicht wie die Würste zwei, aber dem Himmel sei Dank, wenigstens ein Ende aufweist. Endlich wieder gesund essen und endlich wieder Mahlzeiten geniessen, die mit etwas Fantasie zusammengestellt und zubereitet werden. Ein Segen, nicht mehr auf undefinierbaren Kohlestücke zu kauen und mit Plastikmessern auf Leder herum säbeln zu müssen. Anstatt mit fettriefenden Fingern und mit in Papier gewickelten Würsten zu hantieren, edle weisse Stoffservietten und silbernes Besteckt gebrauchen zu dürfen. Und Gott sei Dank, schon bald ist wieder Zeit für die herrlichen “Metzgete”. Ich freue mich auf die Blut- und Leberwürste.
