20. Januar 2012

Ein Blödian, der zu Fuss geht

Skiferienbedingt zeigte sich die Besetzung des Stammtisches diese Woche eher etwas ausgedünnt. Ebenfalls dürftig die Auswahl, der zur Sprache kommenden Themen. Die Affäre Hildebrand scheint bereits Geschichte. Scherzkeks Emil jedenfalls erntet mit seiner Behauptung, dass nicht Blocher, sondern Frau Kopp die Bundespräsidentin telefonisch orientiert habe, lediglich ein müdes Lächeln. Nicht einmal die Umfahrung von Obfelden und Ottenbach und die kürzlich lancierte neue Idee zur Entlastung des Bezirkshauptortes geben zu ernsthaften Diskussionen Anlass. Einzig Urs, der “Sparer”, lobt den Kampf der Gegner, weil neue Strassen ohnehin viel zu teuer gebaut würden. Seine Meinung löst bei “Motzet Fritz” aber sofort heftige Emotionen aus. Seine Blicke könnten problemlos Grossbrände verursachen und seine Schnauzhaare zittern heftig.

Doch für einmal hat er sich im Griff. Fritz grummelt etwas von einem Blödian, der selber keinen Schritt zu Fuss gehe, jedoch den flüssigen Verkehr behindere, wo er nur könne.

Schorsch wiederum versucht sofort Streitereien zu vermeiden und wechselt blitzartig das Gesprächsthema. Er findet die neue Kirche der Mormonen in Bonstetten eine Bereicherung des religiösen Säuliamtes. Nur ganz schön blöd, dass keiner am Tisch weiss, von was der gute Schorsch da spricht. Seine umständliche Erklärung verkommt schliesslich fast zu einer Long-Version von “Verstehen Sie Spaß?”. Doch die sonst immer etwas mit Zündstoff geladenen Fragen mit religiösem Hintergrund verursachen erstaunlicherweise keine wirklich heftigen Wortwechsel. Die Stammtischrunde nimmt die Erklärungen gelassen entgegen. Die vornehme Zurückhaltung muss am Weisswein liegen, der heute für einmal Flaschenqualität aufweist. So dominieren diesmal eindeutig Schneemangel, Ferienziele und Wetteraussichten die Stammtischthemen. (mamu)

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13. Januar 2012

Gehören Esel zu den Alphatieren?

Das neue Jahr ist noch keine Woche alt und am Stammtisch wird bereits heftig diskutiert. Nach den ausgetauschten und mehr oder weniger ernstgemeinten Neujahrswünschen gerät ein ganz bestimmtes Foto ins Schussfeld von Fritz. Das aktuelle Bild des Bundesrates bezeichnet er als typisch für die jetzige Zusammensetzung der Landesregierung. Brav sei es und langweilig und ohne jeden Pfiff, mault Fritz und wird seinem Spitznamen „Motzer“ einmal mehr gerecht. Mit dem Abgang von Pascal Couchepin und Micheline Calmy-Rey seien die Alphatiere aus der Regierung verschwunden, meint Emil etwas wichtigtuerisch. “Gehören die Esel auch zu den Alphatieren?”, will Heiri wissen, erntet jedoch bei der Runde nur ein müdes Lächeln. Ein politisches Erdbeben sei jedenfalls von diesem Altherrenclub nicht zu erwarten, behauptet Fritz und nimmt einen zünftigen Schluck aus seinem Weissweinglas.

Als am oberen Tischende der Begriff „Dollarkurs“ zu hören ist, mutieren augenblicklich sämtliche Anwesenden zu Notenbank- und Devisenspezialisten. Der Stammtisch wird zum Duellplatz. Die Moralapostel sind den Verfechtern eines liberalen Gedankengutes eher etwas überlegen. Siebzehn Mal fällt der Name Hildebrand, Blocher hingegen wird nur zehnmal erwähnt. Bei Urs, dem Sparer, sind so etwas wie Dollarzeichen in den Augen zu erkennen, als die umstrittenen Kursgewinne erwähnt werden. Ansonsten herrscht „courant normal“ am Stammtisch. Wie fast immer bei grösseren Meinungsverschiedenheiten hört keiner mehr dem anderen zu. Jeder hat Recht und keiner weiss warum. Nur gut, dass Walter neu dazukommt und endlich wieder angestossen werden kann. (mamu)

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6. Januar 2012

Vom Nordkap bis in den südlichsten Zipfel von Sizilien findet man in den europäischen Restaurants, Beizen und Gasthöfen Stammtische. Zum Apéro oder Frühschoppen treffen sich vorwiegend Männer zum Meinungsaustausch. Allesamt sind sie hochkarätige Experten für Fussball, Politik, Frauen und dem übrigen Weltgeschehen. Von den Stammtischen im Säuliamt soll hier wöchentlich eine Art Protokoll aufgezeichnet werden. Die Protagonisten sind Gewerbetreibende, Arbeiter, Pensionierte, Politiker und Arbeitgeber. Neben vielen Anderen findet man da den Motzer Fritz, der an allem und jedem etwas auszusetzen hat, den Besserwisser Heiri, dessen Name Programm ist, den Mitläufer Peter, der keine eigene Meinung hat und den Wendehals Heinz, der sich immer gerade den Stärkeren anschliesst. Da sitzt aber auch der Sparer Urs, der nicht nur vom Staat verlangt zu sparen, sondern auch beim eigenen Portemonnaie geizt und natürlich fehlt da nicht der Gutmensch Schorsch, der zu allem Ja sagt. Die Diskussionen, Gespräche und Meinungen zum aktuellen Zeitgeschehen spiegeln manchmal klar – und hie und da auch etwas verzerrt – die sogenannte Volksmeinung. Die Dialoge werden gewissenhaft aufgezeichnet, es wird weder etwas hinzugefügt noch etwas ausgelassen, sondern höchstens die Standpunkte zusammengefasst und in eine jugendfreie Fassung gebracht. Die Vielfältigkeit der Auffassungen wird vermutlich das Allgemeinwissen der Leserinnen und Leser nicht entscheidend verbessern, vielleicht hingegen gelegentlich ein Schmunzeln verursachen. Das Stammtisch-Memo – jeden Freitag hier an dieser Stelle.

(mamu)

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30. Dezember 2011

An die
Leserinnen und Leser
des „Anzeigers

aus dem Bezirk Affoltern”

Sehr geehrte Damen und Herren

Wenn übermorgen das neue Jahr beginnt, werden vermutlich nicht wenige von Ihnen mit guten Vorsätzen in das kommende Jahr starten. Einige werden die Zigaretten fortschmeissen, andere sich vornehmen, mehr Sport zu treiben und einige wenige wirklich heldenhafte Menschen werden vielleicht sogar sich selber versprechen, in den kommenden 365 Tagen ihre Vorsätze auch tatsächlich einzuhalten. Wenn Sie sich nicht gerade vorgenommen haben, die Welt zu retten, das Ozonloch zu flicken oder sogar den Offroader zu verkaufen, haben Sie eine reelle Chance, mindestens in einem kleinen Teilbereich einige Wochen ein guter Mensch zu sein. Beginnen Sie mit kleineren Projekten und steigern Sie sich dann allmählich. Ich möchte Ihnen Mut zusprechen, denn ich versichere Ihnen, dass es tatsächlich ohne grössere Bemühungen funktioniert, ein besserer Mensch zu werden. Persönlich schaffe ich das schon seit einigen Jahren ohne grosse Anstrengungen. Meine Feinde zu lieben, macht mir mittlerweile Spass. Ich trinke seit langer Zeit keinen Tropfen Alkohol und esse kein Fleisch mehr. Zudem spende ich einen Zehntel meines Einkommens bedürftigen Menschen. So leistete ich Ende dieses Jahres einen beträchtlichen Obolus an notleidende und randständige Personen wie Marcel Ospel, Bruno Zuppiger und an den Rentner Moritz Leuenberger. Nächstes Jahr allerdings wird die ganze Angelegenheit ein bisschen schwieriger, habe ich mir doch felsenfest vorgenommen, nicht mehr zu lügen.

Ich wünsche Ihnen viel Durchhaltevermögen bei Ihren Silvestervorsätzen und natürlich ein glückliches und gesundes neues Jahr.

Freundliche Grüsse

Martin Mullis

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23. Dezember 2011

An das
Christkind
momentan vermutlich in

9405 Wienacht

Liebes Christchind

Vor vielen Jahren, als ich noch ein kleiner Knabe war, habe ich dir regelmässig zu Weihnachten einen Wunschzettel geschickt. Vielleicht waren diese Briefe falsch adressiert oder aber meine Wünsche waren unverschämt. Jedenfalls bekam ich anstelle der Spielzeugeisenbahn ein Kirchengesangbuch. Im Paket, wo die sehnlichst erwarteten Fussballschuhe sein sollten, befand sich ein fürchterlicher von Oma gestrickter Pullover. Aus diesen Gründen habe ich berechtigte Zweifel, ob dieser Brief wirklich Sinn macht. Ich probiere es trotzdem noch einmal mit einem Wunschzettel, mache dich aber darauf aufmerksam, dass du, falls auch diese Begehren nicht beachtet werden, nie mehr mit Post von mir rechnen kannst. Meine Liste ist dieses Jahr eigentlich recht bescheiden. Meine Wünsche sind zudem nicht egoistisch, denn viele andere Menschen würden ebenfalls davon profitieren. So wäre es mir ein grosses Anliegen, wenn in allen öffentlichen Verkehrsmitteln Handy-Störsender eingebaut würden. Schön wäre auch ein etwas höher angesetzter IQ-Test für Steuer-Kommissäre. Ganz patent fände ich einen sogenannten Sesam-Sender, mit dem ich die Verkehrsampeln beeinflussen könnte. Dass nur noch ehrliche Politiker gewählt würden, wäre ebenfalls ein ganz grosser Wunsch. Und hohe Strafen für Schmarotzer und Menschen, die unablässig Wasser predigen und selber ausschliesslich Wein schlürfen. Ein lang gehegter Wunschtraum wäre schliesslich noch Friede auf Erden, irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Anliegen gerne vergessen wird.

Für die Erfüllung dieser Begehren danke ich dir im Voraus recht herzlich.

Freundliche Grüsse

Martin Mullis

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