Golf und das Scheidungs-Handicap
Es ist äusserst bemerkenswert, wenn sechs gestandene Mannen eine gute halbe Stunde über einen Sport diskutieren, von dem sie nicht das Geringste verstehen. Nein, hier ist nicht von Fussball die Rede, obwohl auch von dieser Sportart die Wenigsten wirklich eine Ahnung haben. Am Stammtisch sprachen die Herren jedoch kürzlich über den im Säuliamt geplanten Golfplatz und generell über das Spiel mit den kleinen weissen Bällen. Dabei warfen sie mit Fachausdrücken nur so um sich. Bloss Freddy, der auch tatsächlich Golf spielt, hielt sich auffällig zurück und lächelte wissend. Allerdings weiss niemand so recht, wo genau er denn spielt und was für ein Handicap er aufweist. Gesichert scheint lediglich, dass er ein Handicap besitzt.
Schorsch setzte dann dem sportlichen Geschwafel ein Ende, indem er die Anstrengungen der Eidgenossenschaft für die Befreiung der Taliban-Geiseln rühmte. Dies wiederum brachte Motzer Fritz auf die Palme. Diese Touristen hätten ja ganz genau gewusst, in welche Gefahr sie sich begaben, meinte er. Deshalb sollten sie gefälligst auch selbst für die Kosten aufkommen. Die Gründe für seine pointierte Meinung lieferte er gleich nach. Immerhin habe er seine Elsa vor Jahren trotz sämtlichen Warnungen aller Kollegen geheiratet. Das Abenteuer hätte dann ganz und gar nicht gut geendet. Die Scheidung sei entsprechend teuer gewesen, vom Bund hingegen habe er jedoch für die erlittene Geiselhaft nie einen Fünfer erhalten.
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Des Volkes Stimme am runden Tisch
Der Begriff „Stammtischgespräch“ ist ungefähr so negativ besetzt wie etwa der Ausdruck „Treppenhausklatsch“. Leider – und das muss einmal in aller Deutlichkeit festgehalten werden – völlig zu unrecht. Nirgendwo anders kann des Volkes Stimme deutlicher wahrgenommen werden als am runden Wirtshaustisch. Diese Behauptung unterstreichen die Resultate des letzten Abstimmungssonntags. Gäbe es ein Buchmacherbüro, welches Wetten über den Ausgang der Abstimmung angenommen hätte, wäre ich jetzt ein reicher Mann. Klar, hat Schorsch vehement für die Buchpreisbindung geworben. Als professioneller Gutmensch war das sozusagen seine Pflicht. Der Rappenspalter Urs jedoch votete gegen die Initiative „6 Wochen Ferien für alle“ und mit ihm die Mehrheit der Stimmberechtigten. Da spielte es auch absolut keine Rolle, dass Heiri, Besserwisser und Selbständigerwerbender, vehement dafür war. Als Ferienspezialist und weitgehend vom Einkommen seiner Gattin lebend, erwartete von ihm ohnehin niemand eine andere Meinung. Nebenbei sei vermerkt, dass eigentlich immer sämtliche Gesprächsteilnehmer nur zu gerne auf seine Weltanschauungen verzichten könnten.
Und dass am Bezirksgericht keine Frau den Chefposten einnehmen würde, prophezeite sogar Wendehals Heinz. Auch wenn er die holde Weiblichkeit sonst noch nie verachtete. So gesehen brauchte ein auch nur mittelmässig begabter Stammtischteilnehmer absolut keine hellseherischen Fähigkeiten, um die Ergebnisse vorauszusehen. Die Stammtischgespräche waren somit einmal mehr ein ausgezeichnetes Spiegelbild der Volksmeinung.
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Experten, Patrioten und andere Spötter
Gut und gerne sieben hochrangige Experten sassen kürzlich am Stammtisch. Als einziger fussballtechnisch nichts wissender Einfaltspinsel sah ich mich in der Lage, lediglich zuhören zu dürfen. Das Thema war brandaktuell, die Diskussion aufgeregt und für mich ziemlich erschreckend. Es war jedoch nicht das Resultat des Spiels der Champions-League Basel gegen Bayern München, das hier bei Weisswein und Bier minutiös besprochen wurde und mich erbleichen liess. Vielmehr musste ich feststellen, dass da mitten im Säuliamt in einem anständigen Wirtshaus ganz offen rassistische Ausdrücke geäussert wurden. Für die scharfsinnigen Fussballsachverständigen waren die Spielzüge der Ballkünstler eben nur zweitrangig. Grund für eine überbordende, ja fast fanatische Freude war einzig die Tatsache, dass die Deutschen zu den Verlierern zählten. Hätte der FC Basel gegen Holland mit fünf Toren verloren, wäre das bestimmt ganz in Ordnung gewesen. Nun aber war es Schweizern gelungen, den Deutschen einen Denkzettel zu verpassen. Kein einziger der schlimmen und verhöhnenden Titulierungen für unsere nördlichen Nachbarn könnte hier nur schon allein aus Jugendschutzgründen gedruckt werden. Ich war grenzenlos enttäuscht, denn bei einem Sieg der Bayern hätte mir die Ausganslage etwas ganz anderes erlaubt. Zu gerne wäre ich doch wieder einmal so richtig über die doofen Basler hergezogen.
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Hat da jemand Angst vor dem Knast?
Den Gesprächen der letzten Stammtischrunde zu folgen, war eine einzige Herausforderung. Der Wahlkampf um das Präsidium des Bezirksgerichtes entwickelt sich zu einem eigentlichen Tohuwabohu. Motzer Fritz bezeichnet die Ausgangslage zur Wahl als sinnwidrig und irgendwie seitenverkehrt. Seine Begründung ist jedoch genauso logisch wie die paradoxen Tatsachen. Eine SVP-Frau wird von der SP unterstützt, bürgerliche und linke Anwälte bevorzugen jedoch einen Parteilosen und jeder, der sich öffentlich für eine Person stark macht, lügt. Peter Mitläufer, Heinz Wendehals und allen voran Schorsch, der Gutmensch, legen sich mit grosser Vehemenz ins Zeug. Man könnte glauben, dass sie sich fürchten, demnächst vom künftigen Bezirksgerichtspräsidenten in den Knast geschickt zu werden. Ganz offensichtlich glaubt der Eine von einer Frau besser beurteilt zu werden, während der Andere überzeugt ist, ein Mann hätte für seine Schandtaten mehr Verständnis. Nur stellt sich bei mir die Frage: Was zum Teufel haben die Kerle wirklich auf dem Kerbholz? Ich persönlich bin überzeugt, so schnell nicht vor einem Richter stehen zu müssen. Es sei denn, jemand verklagt mich der üblen Nachrede. Deshalb wähle ich die Frau. Für solche Sünden haben Frauen viel mehr Gespür!
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